Kunde
Altea GmbH
Projektzeitraum
2025–2026
Leistungen
Kommunikationskonzept, Webdesign
Gemeinsam mit
Felix Schmidt, rethink digital
Altea wollte seine italienische Webseite auf Deutsch. Wir haben davon abgeraten, bevor wir den Auftrag hatten.
Was gegen die Übersetzung sprach
Wer die italienische Seite aufruft, sieht zuerst eine weiße Fläche. Dann erscheinen nach und nach Kacheln, durch Linien verbunden, jede mit einem Fachbegriff beschriftet: Gesellschaftsgründungen, Gewinnausschüttung, Mehrwertsteuererstattung. Wer weiß, was er braucht, wird hier fündig. Wer erst überlegt, ob Italien für ihn überhaupt in Frage kommt, findet keinen Einstieg. Auf dem Handy wird aus dem Geflecht eine Kette, durch die man sich minutenlang scrollt. Und weil Google die Handy-Fassung bewertet, kostet das nicht nur Besucher, sondern auch Platzierungen.
Dahinter steckt mehr als eine Frage der Gestaltung. Deutsche Unternehmen wählen ihre Dienstleister anders aus, als es in Italien üblich ist: Sie recherchieren, vergleichen und wollen belegt sehen, dass jemand die Sache beherrscht, bevor der erste Kontakt zustande kommt. In Italien entsteht dieselbe Entscheidung eher über persönliche Netzwerke und Empfehlungen. Wer deutsche Kunden direkt gewinnen will, muss sie also vor dem ersten Gespräch überzeugen. Dafür genügt keine Übersetzung, so gut sie auch ist.
Vor allem fehlt etwas, das man bei diesem Thema am wenigsten erwartet: Wärme. Es geht um Italien, und die Seite bleibt kühl.
Ein Widerspruch ohne Auftrag
Gesagt haben wir das, bevor entschieden war, ob wir das Projekt überhaupt bekommen. Wer einem Kunden von seinem eigenen Wunsch abrät, riskiert den Auftrag. Wir haben ihm stattdessen etwas anderes vorgelegt: eine eigene deutsche Seite, in derselben Formensprache, aber mit einem eigenen Weg hindurch.
Altea hat sich darauf eingelassen.
Der Umweg über das Klischee
Deutsche Unternehmer haben Bilder im Kopf, wenn es um Italien geht: Ämter, Umwege, Wartezeiten. Dagegen anzuschreiben wäre aussichtslos gewesen und überflüssig dazu, denn genau davon lebt Altea. Die Firma nimmt ihren Kunden diese Wege ab.
Also haben wir die Klischees aufgegriffen, statt sie zu bestreiten. Der Satz, der heute über der Seite steht, sagt es in acht Worten: Wir lieben Italien. Auch die komplizierten Teile.
Im Lauf der Arbeit wurde die Bildsprache auf Wunsch des Kunden zurückgenommen. Der Gedanke ist geblieben.
Was entstanden ist
Die fünf Leistungsfelder haben eigene Seiten bekommen, die Fachleute ein Gesicht. Die Auffindbarkeit gehörte dabei von Anfang an zum Auftrag und nicht zur Nacharbeit: Jedes Feld ist eine eigene Seite, die für sich gefunden werden kann, die Inhalte sind nach den Begriffen geplant, nach denen tatsächlich gesucht wird, und so ausgezeichnet, dass auch Antwortmaschinen sie zitieren können. Was auf der alten Seite ein Kasten im Geflecht war, ist jetzt eine Adresse, auf der jemand landen kann.
Am deutlichsten zeigt sich der Gedanke in einem eigenen Abschnitt der Startseite. Dort stehen drei Fälle nebeneinander, die deutsche Unternehmen in Italien regelmäßig erleben: die steuerpflichtige Betriebsstätte, der Arbeitsvertrag, der Vorvertrag beim Immobilienkauf. Links die deutsche Erwartung, rechts die italienische Realität, darunter jeweils ein Satz, was Altea dabei übernimmt. Der Leser sieht den Unterschied, statt von ihm zu lesen, und versteht an drei Beispielen, wofür er einen Berater braucht.
Der Satz darüber nimmt der Sache die Schärfe, ohne sie zu beschönigen: „Nicht weil Italien chaotisch wäre, sondern weil beide Länder nach eigenen, in sich stimmigen Logiken funktionieren. Wir kennen beide.“
Kurz gefragt
Reicht es, die Webseite für einen neuen Markt übersetzen zu lassen?
Selten. Eine Übersetzung behält die Reihenfolge, die Auswahl und den Auftritt, die für das bisherige Publikum entwickelt wurden. Wer neu in einen Markt geht, trifft dort auf Leute, die das Unternehmen nicht kennen und andere Fragen mitbringen. Altea wollte seine italienische Seite auf Deutsch. Wir haben davon abgeraten, bevor wir den Auftrag hatten, und ein eigenes deutsches Konzept vorgelegt.
Was ist der Unterschied zwischen einer Übersetzung und einer eigenen Seite für den Markt?
Die Übersetzung tauscht die Sprache, die eigene Seite den Einstieg. Dahinter steht ein Unterschied im Verhalten: In Deutschland entscheiden Recherche, Vergleich und Nachweise darüber, wer beauftragt wird, in Italien eher das persönliche Netzwerk. Wer einen Markt neu betritt, trifft dort also auf Leute, die ihn nicht kennen und andere Fragen mitbringen. Die deutsche Altea-Seite musste deshalb bei der Frage anfangen, ob Italien sich überhaupt lohnt, und nicht bei den Fachbegriffen.
Wie spricht man Kunden an, die Vorbehalte gegen das Thema haben?
Nicht, indem man die Vorbehalte bestreitet. Deutsche Unternehmer haben Bilder im Kopf, wenn es um Geschäfte in Italien geht: Ämter, Umwege, Wartezeiten. Wir haben diese Klischees aufgegriffen statt sie zu widerlegen, denn genau davon lebt Altea: Die Firma nimmt ihren Kunden diese Wege ab. Der Satz über der Seite sagt es in acht Worten: Wir lieben Italien. Auch die komplizierten Teile.

