Eine Arbeit von KLEINWERKSTATT

Praxis Trick-Krammer

Kunde

Praxis Trick-Krammer

Projektzeitraum

2026

Leistungen

Betreuung, Konzept, Logo-Überarbeitung, Webdesign

Ende 2025 las Dr. Jutta Krammer in einer Ärztezeitschrift von der neuen Pflicht, Webseiten barrierearm zu gestalten, damit auch Menschen mit Einschränkungen sie nutzen können. Sie wollte wissen, ob diese Pflicht auch für ihre Hausarztpraxis gilt. Um die Frage zu beantworten, habe ich mir die Webseite der Praxis genauer angesehen und dabei auch den Verwaltungsbereich geprüft, in dem die Inhalte gepflegt werden. So zeigte sich schnell, dass die Seite grundlegendere Probleme hatte.

Informieren statt werben

Für die Praxis stand in den Gesprächen schnell fest: Um neue Patienten muss sie nicht werben. Trotzdem hat ihre Webseite zwei Aufgaben. Sie soll die Fragen beantworten, die sonst am Telefon landen, und damit den medizinischen Fachangestellten am Empfang Arbeit abnehmen. Und sie soll Menschen, die die Praxis noch nicht kennen, zeigen, wer dort arbeitet und wie die Praxis arbeitet.

Was keiner dieser beiden Aufgaben diente, habe ich weggelassen, darunter ausführliche Beschreibungen einzelner Leistungen und das Leitbild.

Warum eine Reparatur nicht reichte

Die Webseite war keine zwei Jahre alt, lief aber auf einer schon damals veralteten Version eines Content-Management-Systems (CMS), dem Programm im Hintergrund, mit dem die Inhalte gepflegt werden. Dessen Sicherheitspflege endete im Oktober 2025; neu entdeckte Sicherheitslücken werden seither nicht mehr geschlossen. Auch im Aufbau war sie unübersichtlich, mit über zwanzig Menüeinträgen; viele Inhalte waren für Patienten ohne Belang und schwer lesbar.

Als ich die Mängel beheben wollte, stieß ich auf zwei weitere Hindernisse. Der Server erfüllte die technischen Voraussetzungen für eine aktuelle Version des CMS nicht, und der Wechsel auf die nächste Hauptversion wäre so groß gewesen, dass Teile der Seite nicht mehr funktioniert hätten. Ich hätte die Seite also ohnehin neu aufbauen müssen.

Mein Rat an die Praxis war deshalb, von einer Reparatur abzusehen und die Seite neu zu bauen. Mir war klar, dass das wehtut, wenn man für die bestehende Seite gerade erst bezahlt hat. Nach meiner Einschätzung war es trotzdem der schnellere und am Ende günstigere Weg.

Was auf der neuen Seite steht

Auf der Startseite finden Patienten Adresse, Telefonnummern, Sprechzeiten und den Link zur Online-Terminvereinbarung. Was im Notfall zu tun ist, lässt sich von jeder Seite aus aufrufen. Unter „Über uns“ präsentieren sich beide Ärzte mit ihrem Werdegang, dazu das gesamte Praxisteam.

Rezepte und Überweisungen lassen sich online anfragen. Ob sie bereits bearbeitet sind, können Patienten ebenfalls online nachsehen, ohne anzurufen.

Und die Barrierearmut, mit der alles begann? Ob die Praxis dazu verpflichtet ist, prüfe ich bei jedem Projekt neu; für diese Praxis haben wir uns freiwillig dafür entschieden. Eine Hausarztpraxis ist für Patienten mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen da, und ihre Webseite soll alle erreichen. Deshalb wurde unter anderem auf ausreichende Farbkontraste geachtet und die Bedienbarkeit der Seite per Tastatur und anderen Assistenzsystemen angestrebt.

Im Zuge dessen habe ich auch das Logo leicht umgestaltet, damit es besser lesbar wird und leichter für die diversen Medien (Webseite und Druckerzeugnisse) verwendet werden kann. Das Zeichen, ein Äskulapstab in blauen und grünen Bögen, ist geblieben, während der Text von vier auf drei Zeilen geschrumpft ist. Statt „Berufsausübungsgemeinschaft“ steht dort jetzt „Gemeinschaftspraxis“, ein Wort, das Patienten geläufig ist.

Die Seite bleibt betreut

Damit die Seite nicht wieder zu sehr veraltet und eine Aktualisierung größere Probleme mit sich bringt, betreue ich sie weiter und sorge dafür, dass neue Versionen von WordPress und seinen Erweiterungen zeitnah eingespielt werden. Zweimal im Monat prüfe ich die Seite auf bekannte Sicherheitslücken und handle sofort bei Bedarf.

Was daraus geworden ist

Das Praxisteam arbeitet mit der Seite: Es kann Anfragen schnell bearbeiten, Hinweise zu Praxis-Schließungen einpflegen und Informationen aktualisieren. Von Patienten kommt die Rückmeldung, dass sie sich auf der neuen Seite besser zurechtfinden und vieles selbst erledigen.

Kurz gefragt

Braucht eine Praxis eine Website, wenn sie keine neuen Patienten sucht?

Ja, nur nicht als Werbemittel. Eine Seite beantwortet die Fragen, die sonst am Telefon landen, bevor jemand anruft. Bei der Praxis Trick-Krammer kommt eine Statusabfrage hinzu: Patienten sehen selbst, wie weit ihre Rezept- oder Überweisungsanfrage bearbeitet ist.

Was macht eine Praxisseite barrierearm?

Vor allem Entscheidungen bei der Planung, nicht beim Nachbessern: Texte mit genug Kontrast, Formularfelder mit Beschriftung, Bilder mit einer Beschreibung und Überschriften, die den Inhalt gliedern, damit sich auch Vorleseprogramme darin orientieren können.

Was gehört auf die Website einer Hausarztpraxis?

Das hängt davon ab, was die Seite für die Praxis leisten soll. Muss eine Praxis nicht um neue Patienten werben, gehört vor allem das auf die Seite, wonach Patienten sonst am Telefon fragen: Sprechzeiten, Telefonnummern, der Weg zur Terminvereinbarung und was im Notfall zu tun ist. Wer die Praxis noch nicht kennt, sollte außerdem erfahren, wer dort arbeitet und wie die Praxis arbeitet. Den eigenen Patienten kann die Seite darüber hinaus Wege ersparen, etwa indem sich Rezepte und Überweisungen online anfragen lassen. Hinzu kommen die Pflichtangaben im Impressum und eine Datenschutzerklärung. Ausführliche Leistungsbeschreibungen und ein Leitbild braucht eine solche Seite dagegen nicht, weshalb ich sie bei der Praxis Trick-Krammer entfernt habe.

Am Anfang steht ein Telefonat, es kostet Sie nichts.

Remy Chimiczewski, Porträt

Remy Chimiczewski

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