Kunde
Praxis Trick-Krammer
Projektzeitraum
2026
Leistungen
Markenstrategie, Logo, Webdesign
Dr. Krammer hatte in einer Ärztezeitschrift einen Artikel über barrierearme Webseiten gelesen und wollte wissen, ob ihre Praxis das umsetzen muss. Bevor ich dazu etwas sagen konnte, habe ich mir die bestehende Seite angesehen.
Aus einer Prüffrage wurde ein Neubau
Die Seite war keine zwei Jahre alt und lief trotzdem auf einer Technik, deren Sicherheitspflege auslief. Sie hatte offene Datenschutz-Baustellen, und ihr Aufbau machte es Besuchern schwer: über zwanzig Menüpunkte in fünf Aufklappmenüs, darunter eine Stellenanzeige und ein Trennstrich als eigener Eintrag.
Zunächst sollte die Seite instand gesetzt werden. Als sich zeigte, dass eine Nachbesserung nicht zu erreichen war, ging der ganze Auftrag an mich, und mit ihm Schwierigkeiten, die vorher niemand sehen konnte: ein alter Hosting-Vertrag mit engen Grenzen, ein Versionssprung mit mehr Risiko als Nutzen, handwerkliche Fehler im Aufbau.
Mein Rat war deshalb der unangenehme: von vorne beginnen. Das tut weh, wenn man für die bestehende Seite gerade erst bezahlt hat. Es war trotzdem der schnellere und am Ende günstigere Weg.
Eine Praxis, die keine Patienten sucht
Ein Neubau wirft die Frage auf, die vorher niemand gestellt hatte: Wofür ist diese Seite eigentlich da? Ich habe Dr. Krammer gefragt, ob die Praxis aktiv um neue Patienten werben möchte. Die Antwort war nein.
Damit fiel der größte Teil dessen weg, was bisher auf der Seite stand: die Leistungskataloge, das Leitbild, die Seite über Tauchtauglichkeit, die reisemedizinische Beratung. Für eine Praxis ist das keine Kleinigkeit, denn diese Texte hat sie selbst geschrieben. Geblieben ist, was am Empfang tatsächlich gefragt wird.
Neun Seiten statt vierundzwanzig Menüpunkte
Sprechzeiten und Vertretung stehen auf einen Blick da, die beiden Ärzte mit ihrem Werdegang, Anfahrt und Notfall. Rezepte und Überweisungen lassen sich weiterhin anfragen, jetzt aber auf einem Weg, der für solche Angaben taugt. Neu ist die Statusabfrage: Mit Vorgangsnummer und Geburtsdatum sieht der Patient selbst, wie weit sein Rezept ist. Das war die Frage, die vorher jeden Tag am Telefon landete.
Auch das Logo habe ich abgespeckt. Aus der vierzeiligen „Berufsausübungsgemeinschaft Dr. med. Stefan Trick, Dr. med. Jutta Krammer“ wurde die einzeilige „Gemeinschaftspraxis Dr. med. Trick und Dr. med. Krammer“. Dasselbe Prinzip wie bei den Inhalten, nur in einem Bild.
Lesbarkeit und Barrierearmut liefen von Anfang an mit: ausreichende Kontraste, eine Schrift, die sich vergrößern lässt, Bedienung ohne Maus, beschriftete Formularfelder. Auf einer Praxisseite ist das keine Zusatzleistung, denn ältere und beeinträchtigte Menschen sind hier ein großer Teil der Leserschaft.
Was daraus geworden ist
Das Team arbeitet seither mit der Seite, und von Patienten kommt die Rückmeldung, dass sie übersichtlicher ist als vorher. Eine Praxis, die nicht um Patienten wirbt, misst ihre Webseite ohnehin nicht an Besucherzahlen, sondern daran, wie ruhig der Empfang bleibt.
Kurz gefragt
Was muss auf der Website einer Arztpraxis stehen?
Rechtlich: der vollständige Name mit Praxisanschrift, Telefon und E-Mail, die gesetzliche Berufsbezeichnung mit dem Staat der Verleihung, die zuständige Ärztekammer und die Berufsordnung, dazu eine Datenschutzerklärung, sobald ein Kontaktformular oder eine Auswertung im Spiel ist. Praktisch: das, wonach am Empfang gefragt wird. Bei der Gemeinschaftspraxis Trick-Krammer wurden aus vierundzwanzig Menüpunkten neun Seiten, weil Leistungskataloge und Leitbilder kaum jemand liest.
Braucht eine Praxis eine Website, wenn sie keine neuen Patienten sucht?
Ja, nur nicht als Werbemittel. Sie beantwortet die immer gleichen Fragen, bevor jemand zum Telefon greift, und entlastet damit den Empfang. Für Trick-Krammer haben wir deshalb alles entfernt, was der Werbung diente, und eine Statusabfrage eingebaut: Mit Vorgangsnummer und Geburtsdatum sieht der Patient selbst, wie weit sein Rezept ist.
Lohnt sich eine neue Website, wenn die alte erst zwei Jahre alt ist?
Das Alter sagt darüber nichts. Entscheidend ist, ob die Mängel einzeln zu beheben sind oder im Aufbau stecken. Bei dieser Praxis steckten sie im Aufbau: veraltete Technik trotz junger Seite, offene Datenschutzfragen, ein Menü, durch das sich niemand fand. Der Rat, von vorne zu beginnen, war der unangenehmere und am Ende der günstigere.

